Aus der Abhandlung "Der Berufsverbrecher" von Robert
Heindl (Berlin), erschienen in: Jahrbuch der Charakterologie,
II.-III. Jahrgang, 1926, Band II-III, S. 341 ff. Zitat: Seite 416 f.
" ... kann man den Opfern nur raten, schleunigst der Staatsanwaltschaft oder der Polizei Anzeige zu machen. Schon jetzt werden diese den Erpreßten schonen, soweit es im Rahmen der Gesetze irgendwie zulässig ist, und selbst, wenn sie gegen den Anzeigeerstatter ebenfalls einschreiten müssen, kann es nie so schlimm werden, wie das Leben in den Klauen eines Erpressers. Das ist die wahre Hölle, wie ich öfters während meiner polizeilichen Tätigkeit beobachten konnte. 'Geheimnisse, die du hütest, machen dich zum Herrn; Geheimnisse, die ein anderer von dir weiß, machen dich zum Sklaven,' sagt ein arabisches Sprichwort.
Du erkaufst Schweigen, Abwesenheit, kaufst den Frieden. Aber alle Vereinbarungen, alle Verträge werden gebrochen. Bis zu deinem letzten Atemzug, bis zum letzten Heller deiner Börse wirst du verfolgt, gehetzt, gemartert werden. Zahle von Anfang an keinen Pfennig. Wenn du zahlst, bist du ruiniert. Dein ganzes Vermögen wird dir abgenommen werden. Es gibt Erpresser, die lebenslängliche Renten beziehen wie ein pensionierter Staatsminister. Nur, daß sie mehrere solcher Ruhegehälter gleichzeitig kassieren, während der Beamte nur eines nehmen darf.
Das sind die eleganten Kurfürstendammbummler, über deren Einnahmequellen man sich den Kopf zerbricht. Die zahllosen jüngeren und älteren Damen, die die Familienpensionen, Sanatorien und Hotel-Fünfuhrtees bevölkern, ohne daß klar ist, wer ihre Rechnungen zahlt. Das sind die Privatdetektive, die nie einen Verbrecher entlarven und doch stets bei Kasse sind. Das sind die Journalisten, die miserabel schreiben und trotzdem nobel leben. 999 von ihnen laufen, wie gesagt, frei herum und nur 1 sitzt). ..."