2) Wenn sie die wahre Ursache der Krankheit, woher solche kommt, dem Medico nicht offenbaren, wie also Huren bei ihrer Schwängerung, unersättliche Fresser bei ihrer Cardialgia oder Herzens-Angst und andere auf andere Weise es zu tun pflegen.
3) Wenn sie vom Medico verordnete Arzneien nicht einnehmen, und gleichwohl auf Befragen, ob sie es getan?, also vorgeben.
4) Wenn sie die Arzneien, sonderlich die Medicamenta Drastica, Emerica, Purgantia nicht nach Vorschrift des Medici gebrauchen, sondern sich deren nur, wenns ihnen etwa einfällt, bedienen und daher manchen Tag, ohne dass sie die Arznei einnehmen, vorbei streichen lassen.
5) Wenn sie gleich nach einiger Geneseung, z.B. vom Fieber, zu medicinieren aufhören, und es nach dem bekannten Reim: Wie der Kranke genaß / je ärger er fraß, zu machen pflegen, und doch den Medicum glaubend machen, sie brauchten dessen Arzneien fort.
6) Wenn sie, sonderlich die Weiber, die Krankheit des Leibes an denenjenigen Teilen, so die Natur verdeckt haben will, verhehlen, da es doch auch nach dem Horatio, einem heydnischen Poeten, heissen solle: Incurata pudor malus ulcera celat.
7) Wenn sie nicht diätisch leben, und, wider das Verbot des Medici, diese oder jene ihnen schädliche Speise oder Getränke zu sich nehmen.
8) Wenn sie, nächst dem Medico, einen anderen heimlich consulieren, und so dann bei der Medikamenta unvorsichtiger Weise einschlucken, bei dem ersten aber sich damit entschuldigen, man wolle, damit die Natur nicht so hart angegriffen werde, ein wenig von den Arzneien ausruhen.
9) Wenn sie ihre Krankheiten ganz und gar verhehlen, wie Conragiosi, Pestilentiarii, und die mit der Luc Venerea behaftet sind, zu tun pflegen.
10) Wenn sie sich, sonderlich bei Besuchung der Geistlichen, kränker anstellen, als sie sind, auch, solange diese gegenwärtig, überaus devote Minen machen, nach deren Abtritt aber allerhand weltliche, ja sündige Dinge wieder vornehmen.
11) Wenn sie nach der Wiedergenesung dem Medico seinen verdienten Lohn unter dem Vorwand, er hätte übel curieret, nicht geben, oder denselben wenigstens lange genug auf die Bezahlung warten lassen, nach dem bekannten Brocardio: Medicus tres haber facies, 1) Angeli, dum curare incipit, 2) Dei, dum juvat. 3) Diaboli, dum mercedem poscit.
12) Wenn sie sich ihrer blassen Farbe wegen von andern einer Krankheit bereden lassen, und alsdann solches Imaginatione, ohne dass ihnen ein Äderlein wehe tut, simulieren und gegen den Medicum vorgeben, wovon, und was dergleichen Imaginationes öfters vor Effectus gehabt, Dn. D. Frid. Wilh. Steurlini Dispur. Inaug. de Aegroto Mendace, hab. Erffurt. 1711 mit mehrern kann gelesen werden.
MITTEL DARWIDER:
Weil diese mit ihrem Betrug niemanden als sich selbst am meisten schaden / so ist kein anderes Mittel / als dass die Medici solchen ihren Patienten / welche nicht recht heraus beichten / die Gefahr ihrer Krankheit aufs nachdrücklichste vorstellen.